KAMERATYPEN

Boxkameras Agfa Synchro Box Die Amateurfotografie ab Ende des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die so genannten Boxkameras. Das Konzept wurde ursprünglich in den USA entwickelt: eine möglichst einfach zu bedienende, preiswert herzustellende Kamera, die mit Rollfilm arbeitete.

Zu den frühen Boxkameras zählt beispielsweise die Brownie Nr. 2 der Eastman Company aus dem Jahr 1901; sie nahm Bilder im Format 6×9, also einem klassischen Mittelformat auf.

In Deutschland gelang es ungefähr ab 1915, konkurrenzfähige Rollfilme herzustellen. Circa 1916 tauchten deutsche Box-Vorläufer wie Ernemanns Film-K-Modelle auf. Der Siegeszug der Boxkameras setzte in Deutschland etwa zehn Jahre später ein, als Ica 1924 die Onix vorstellte. In den folgenden Jahren kam eine Flut von Boxkameras auf den Markt; die meisten Hersteller sind heute nur noch in Sammlerkreisen und bei Fotohistorikern bekannt. Ihre Namen: Goerz, ESPI, Balda, Eho, Beier, Certo, Bilora und andere.

Agfa produzierte preiswerte Boxen und setzt in Verbindung mit einer spektakulären Marketing-Aktion innerhalb weniger Monate rund 900.000 der so genannten Preis-Boxen um. Die Aktion, bei der Kameras für vier Mark abgegeben wurden, sollte eigentlich den Umsatz an den hauseigenen Filmen ankurbeln, die Mitbewerber boten jedoch bald auch vergleichbar preiswerte Produkte an. Bis heute ist ungeklärt, wie sich die Dumping-Produktion für die Agfa-Konkurrenz ohne Quersubventionierung rechnen konnte.

Zeiss Ikon übernahm mit der Eingliederung von Goerz im Jahr 1926 deren Tengor Box (1924–1926) und bediente damit ein höherpreisiges Marktsegment hochwertiger Boxkameras mit einem Achromaten ("Goerz Frontar", 2 verkittete Linsen), spätere Modelle verfügten über drei Schärfebereiche durch Einschwenken von Vorsatzlinsen vor dieses Fixfoxus-Objektiv.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Fotoindustrie auf Rüstungsprodukte umgestellt, und die einheimische Fotowirtschaft brach weitgehend zusammen. Erst nach dem Krieg wurde ab etwa 1948 die Produktion wieder aufgenommen. Alte und neue Hersteller (wie Vredeborch, Carl Braun, Friedrich Linden und Adox) läuteten einen Frühling der Boxkameras ein, der bis in die 1960er Jahre anhielt; danach wurden die Boxkameras durch Kompaktkameras für Kleinbildfilm und neue Bauformen wie Instamatic- und Pocket-Kameras verdrängt.

Mittelformatfotografie Die auf dem Rollfilm basierenden Mittelformatkameras haben ihre Wurzeln in den vergleichsweise kompakten Kameras der 1870er Jahre.

Papier als flexibler Schichtträger wurde bereits um 1816 bei den frühen fotografischen Experimenten von Joseph Nicéphore Nièpce verwendet, 1840 nutzte William Henry Fox Talbot Papiernegative zur Anfertigung seiner Salzpapierpositive. Der Papierfilm ist daher keine Erfindung von George Eastman oder William Walker, obwohl sie 1884 den sogenannten Stripping Film zum Patent anmeldeten.

Der erste Film mit Zellulose als Schichtträger wurde 1868 von John Wesley Hyatt hergestellt und in den USA patentiert. Ein verbesserter Zelluloidfilm wurde 1887 von Hannibal Goodwin für Thomas Alva Edison entwickelt und ebenfalls patentiert. George Eastman ignorierte die vorhandenen Patente und führte bis 1898 einen Rechtsstreit, zu dessen Abschluss er zu einer hohen Schadensersatzzahlung an Goodwin verurteilt wurde. Das aggressive Vorgehens Eastmans ermöglichte es seinem Unternehmen jedoch, bis Ende des 19. Jahrhunderts eine marktbeherrschende Stellung aufzubauen und eine wahrheitswidrige Geschichtsschreibung zu begünstigen.

Die Mittelformatfotografie mit ihren heute bekannten Bauformen setzte 1928 ein, als die Braunschweiger Firma Franke & Heidecke die Rolleiflex präsentierte; dabei handelte es sich um eine zweiäugige Spiegelreflexkamera für das klassische Mittelformat 6×6 cm. Preiswertere Varianten erschienen 1933 mit der Rolleicord und Ende der 1950er Jahre mit einer Rolleiflex für das Format 4×4 cm.

Ab etwa 1940 tauchte Victor Hasselblad in der Geschichte des Mittelformats auf: Er konstruierte in Göteborg im Auftrag der schwedischen Regierung die HK 7 mit dem Aufnahmeformat 7×9 cm auf 80-mm-Film sowie 1941 die SKa 4 für die schwedische Luftwaffe. Zwischen 1941 und 1945 lieferte Hasselblad insgesamt 342 Kameras an das Militär. Das so erworbene Fertigungs-Know-how setzte er ein, um ab 1948 einäugige Spiegelreflexkameras für Privatkunden herzustellen. Die klassische Hasselblad 1600F mit Metallschlitzverschluss und Wechselmagazinen für das Format 6×6 cm entstand damals. Sie wurde 1952 durch das verbesserte Modell 1000F abgelöst, das die „Fotolegende“ Hasselblad begründete.

Kleinbildfotografie

In der langen Entwicklungszeit der fotografischen Kamera wurden aus den mehrere Kilogramm schweren, unförmigen Fotokästen der fotografischen Frühzeit immer kleinere, leichtere und komfortablere Kameras.

Für diese Entwicklung gab es drei entscheidende Einflüsse:

Mit der Einführung des Rollfilms (ab 1848 auf Papierbasis, ab 1888 auf Zelluloidbasis) wurde das Aufnahmematerial kompakter und vor allem flexibler. Mit der Einführung von lichtempfindlichen Filmemulsionen wurde es möglich, das Negativ zu vergrößern; dies ermöglichte kleinere Aufnahmeformate und damit auch auf kompaktere Kameras. Der enorme Erfolg der Amateurfotografie veranlasste die Kameraindustrie zum Bau einfacherer und handlicherer Fotoapparate, um immer größere Märkte erreichen zu können. Vorläufer der Kleinbildkameras waren die so genannten Handkameras wie die Detektivkamera von Thomas Bolas (1881) und der Kodak von George Eastman (1888).

Als erste Kleinbildkamera nach heutiger Definition entwickelte Oskar Barnack, ein Mitarbeiter der Optischen Werke Ernst Leitz in Wetzlar, die legendäre Leica (Leitz Camera). Barnack hatte die Kamera seit 1913 entwickelt und stellte sie erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 der Öffentlichkeit vor. Der ursprüngliche Zweck des Apparates war es, kurze Filmstreifen unabhängig von der großen Filmkamera zu belichten, um die Ausleuchtung einer Szene vor dem Dreh überprüfen zu können (Standfotos). Das Kleinbildformat von 24×36 mm ergab sich damals aus der Verdopplung des Stummfilm Kinoformats (18×24 mm). In der Fotografie handelt es sich dabei um das am weitesten verbreitete Filmformat, sowohl für Sucherkameras als auch für Spiegelreflexkameras.

Die 1933 vorgestellte Contax I von Carl Zeiss verfügt über ein versenkbares Objektiv und belichtet 36 Aufnahmen auf Kleinbildfilm; 1936 folgt die Contax 2.

1933 wird mit der Konstruktion der ersten Spiegelreflexkamera für das Kleinbildformat begonnen; die Kine-Exakta der Firma Ihagee aus Dresden kommt 1936 auf den Markt.

In der Sowjetunion erscheint ein ähnliches Modell, welches 1934 vorgestellt und ab 1936 unter dem Namen GELVETA hergestellt wurde. Dieses Modell wurde später in SPORT umbenannt. Bis zum Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Jahr 1941 sollen von diesen Kameras rund 16.000 Exemplare ausgeliefert worden sein.

Auch das japanische Unternehmen Canon stellte ab 1934 Kleinbildkameras vor. Die erste japanische Kleinbildspiegelreflexkamera war 1952 die Asahiflex von Pentax.

Infacolor Kleinbild-Farbnegativfilm, 12 Bilder Die ebenfalls noch heute üblichen Filmpatronen wurden 1936 von der I.G. Farben entwickelt.

Anfangs belächelt, ermöglichte die 35-mm-Kamera eine mobile, schnelle Fotografie. Dies begründete die moderne Reportage- und Reisefotografie; zu den Fotografen, die ausschließlich mit Leicas und Kleinbildfilm arbeiteten, gehört beispielsweise Gisèle Freund.

Den Höhepunkt ihrer Verbreitung erreicht die Kleinbildfotografie 1971, als allein in Deutschland 800.000 Kleinbildspiegelreflexkameras verkauft werden.

Kleinstbildfotografie

Die moderne Kleinstbildfotografie beginnt 1936 mit der Entwicklung der ersten Kamera für das Format 8x11 mm: die Ur-Minox von Walter Zapp in Riga, Lettland. 1938 geht die MINOX 'Riga' in Serie. Ab 1948 wird die MINOX A als erste Kleinstbildkamera »Made in Germany« von Minox in Wetzlar gefertigt.

Das Format 8x11 mm hatte jedoch Carl August von Steinheil bereits 1839 für seine Miniaturkamera verwendet.

Kodak Instamatic und Agfa Rapid Das Instamatic-System wurde in den 1960er Jahren eingeführt; es basierte auf einem Kassettenfilm von Kodak und verwendete 126er-Film. Es hielt sich bis in die 80er Jahre. Heute sind keine Filme mehr für dieses System am Markt.

Als Konkurrenzsystem versuchte Agfa, die Karat-Patrone zu etablieren. Diese war mit der Kamera Agfa Karat im Jahr 1937 auf den Markt gekommen und wurde unter dem neuen Namen Rapid-Patrone vermarktet. Das System war dem Instamaticfilm zwar technisch überlegen, hatte jedoch keinen großen Erfolg; es verschwand in den 70er Jahren vom Markt.

Spätere Versuche, Kassetten-basierte Systeme zu etablieren, waren das Pocket-, Kodak-Disc- (ab 1982) und das APS-System (ab 1996).

Pocket-Kameras

Die historischen Vorläufer der Pocketkamera sind die ersten tragbaren Fotoapparate, die so genannten Handkameras aus den 1870er Jahren; funktional verwandte Bauformen waren auch die Boxkameras, die Westentaschenkameras, die Magazinkameras und die Kassettenkameras sowie im 20. Jahrhundert dann die Instamatic-Kameras.

Ein weiterer naher Verwandter der modernen Pocketkameras stammt von Kodak; George Eastman hatte 1894 von Samuel N. Turner eine Lizenz für ein Patronen-Film-System erworben; darauf aufbauend brachte Eastman ab 1895 die Kameras der Pocket-Kodak-Serie heraus; dabei handelte es sich um einige der ersten Kameras, die eine Tageslichtwechselung des Films ermöglichten.

Das Pocket-Format selbst wurde 1972 mit der Pocket Instamatic 110 von Kodak eingeführt.

Heute sind Pocketkameras weitgehend in Vergessenheit geraten; dies reicht so weit, dass kompakte Digitalkameras als Pocketkamera tituliert werden, obwohl diese natürlich keinen Pocketfilm verwenden.

Kodak Disc

Geöffneter Disc-Film („Negativ“) Das 1982 eingeführte Kodak-Disc-System war ein Versuch, den Kleinbildfilm als Standard-Aufnahmematerial abzulösen und den Absatz von fotografischen Produkten anzukurbeln.

Disc-Filme sind mit einer Plastikhülse ummantelt, die einer 3,5"-Diskette ähnelt; im Gegensatz zu Instamatic-, Pocket- oder Minox-Kleinstbildfilm gibt es jedoch weder einen Filmstreifen noch eine Spule, da der Filmträger kreisförmig um einen Plastikkern aufgebracht ist.

Das System war nur wenige Jahre auf dem Markt und verschwand Ende der 1980er Jahre restlos. Heute sind keine Disc-Filme mehr im Handel erhältlich.

Advanced Photo System

Das Advanced Photo System (APS) war der Versuch einer umfassenden Modernisierung der Fototechnik. Die Hybridtechnologie des APS wurde offiziell am 22. April 1996 von den Kamera- und Filmherstellern Canon, Fujifilm, Kodak, Minolta und Nikon vorgestellt.

Bei APS handelt es sich nicht nur um ein neues Filmformat, es wurde vielmehr versucht, vor allem in drei Aspekten fototechnische Neuerungen einzuführen: neues Filmmaterial, neuartige Kameras und optimierte Laborverarbeitung.

Das APS-Format konnte sich am Markt nicht durchsetzen und hat seit dem Dominieren von Digitalkameras im Consumer-Segment nahezu keine Bedeutung mehr; die meisten Kamerahersteller haben ihre APS-Modellreihen zwischen 2001 und 2002 eingestellt oder lassen diese auslaufen. Auch Kodak, einer der Initiatoren von APS, hat die Produktion von APS-Kameras Ende 2004 eingestellt.

Diverse mit APS eingeführte Neuerungen wurden jedoch in neuere Kleinbildkameras übernommen, so beispielsweise die Möglichkeit zum komfortablen Auswechseln eines teilweise belichteten Films (Mid-Roll-Change beziehungsweise Mid-Reload) sowie der Index Print.

Auch in Digitalkameras finden sich verschiedene Konstruktionsmerkmale der kompakten APS-Kameras wieder, und das Exif-Dateiformat zeichnet dieselben Informationen auf, die auch mit den PQI-Daten bei APS gespeichert werden konnten.

Quelle: wikipedia.org